|
|
|
Sexualleben - Kirchenglocken-Terror - Vatikan-Bank - massenweise geschlagene Kinder und sexueller Missbrauch von Kindern etc.
bzw. die Kirche handelte und handelt bis heute gegen den Grossen Geist
Meldungen, präsentiert von Michael Palomino
Einleitung
Der Grosse Geist bzw. "Gott" wollen nicht, dass die Menschen leiden. Die Kirche meint es anders: Sie quält und foltert die Menschen mit Lebensregeln, so dass die Menschen leiden und meinen, erst nach dem Tod sei das Leben schöner. Aber lesen Sie selbst, was die Kirche so alles für Foltermethoden hat.
Einschränkungen des Sexuallebens durch die Terror-Kirche
Die datenreiche Webseite www.kartoffel-geschichte.de berichtet:
-- Sex war 40 Tage vor Weihnachten verboten
-- Sex war 40 Tage vor Ostern verboten
-- Sex war in der Woche nach Pfingsten verboten
-- Sex war am Vorabend hoher Festtage, am Sonntag, am Mittwoch und am Freitag verboten
-- Sex war 30 Tage nach der Geburt eines Jungen und 40 Tage nach der Geburt eines Mädchens verboten
-- Sex war 5 Tage vor dem Abendmahl verboten.
These des Autors: <Wenn sich die Christen an diese Gebote oder Verbote gehalten hätten, wäre Europa zwischenzeitlich ausgestorben.> [1]
Arbeitsverbote und Einschränkung des Berufslebens für Frauen durch die Kirche
Es war bis ins 19.Jh. "Tradition", dass die Frauen nicht arbeiten durften, und so war ihnen "langweilig", bzw. sie litten unter der Krankheit "Langeweile", die wiederum "behandelt" werden musste. Die datenreiche Webseite www.kartoffel-geschichte.de berichtet:
<Noch im 19. Jahrhundert galt Langeweile als Gemütskrankheit, die den Arbeitswillen erheblich schwächte. Dem »Seelenschnupfen« – besonders bei den mit einem Arbeitsverbot belegten bürgerlichen Frauen – versuchten die Ratgeber der Hausväter-Literatur durch den Rückzug auf die kirchliche Moral beizukommen. Effi Briest, Großmutter von Manfred von Ardenne, schrieb einen Roman ab, um der ennui und dem »horror vacui« zu entkommen. Verbreitet war auch die Hypochondrie und die Melancholie. Baudelaire meinte, daß aus der ennui sich der »Spleen« entwickelt habe, ein Mangel an geregelter Beschäftigung, eine Übersättigung an allen Lebensgenüssen.> [1]
Einschränkungen des Wohnraums durch Kirchenglocken-Terror
Zusammenfassung von Michael Palomino (2009)
Es ist bis heute in manchen Ländern - v.a. in Mitteleuropa - ein belästigender Brauch der Kirche, mit grossen, überdimensionierten Kirchenglocken und mit langen Glockengeläuten alle Menschen einer Umgebung einer Kirche zu terrorisieren, auch diejenigen Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben sollen. Die Kirche behauptet, bis heute habe sie ein Lärmmonopol, das zum Teil mit bis über 80 Dezibill in die Wohnungen dringt. Insbesondere schlagen grosse Kirchenglocken zum Teil bis heute noch alle Viertelstunde Tag und Nacht, und am Sonntagmorgen ist ein Risenlärm mit Glockengeläute, zum Teil zweimal 30 Minuten lang. Ergo verletzt die Kirche in penetranter Weise die Nachtruhe bzw. die Sonntagsruhe.
Die Politik - vor allem in der reichen Schweiz - ist bis heute nicht imstande, diesen Kirchenterror zu reglementieren und meint, wenn man das Kirchengebimmel reglementieren würde und die Nachtruhe und die Sonntagsruhe berücksichtigen würde, dann würde eine "Tradition" verlorengehen.
Nun, diese "Tradition" des Kirchenlärms durch Kirchenglocken verstösst aber gegen die Menschenrechte auf einen ruhigen Schlaf und auf einen Ruhetag pro Woche. Menschen, die sich diese Rechte von der Terror-Kirche nicht nehmen lassen wollen, sind gezwungen, ihre Wohnung oder ihr Haus in Gegenden zu suchen, wo keine Kirche steht, und das ist in Europa ziemlich schwierig, vor allem in der Schweiz, wo bis heute fast jede Kirche noch so bimmelt, wie wenn man die Armbanduhr und die Uhr im Handy noch nicht erfunden hätte.
Ausserdem ist es so, dass inzwischen auch viele Menschen in der Nacht arbeiten müssen und am Tag schlafen möchten, so dass die Kirchenglocken-Stundenschläge, Halbstundenschläge und Viertelstundenschläge auch am Tage eigentlich nicht mehr aktuell und nicht mehr so erwünscht sind wie noch vor 100 Jahren.
Die Kirchenglocken werden ausserdem auch an "christlichen" Festen und an Heiraten eingesetzt. Hat Jesus diesen Glockenterror gewollt? Wenn es den Jesus gab, dann gab es zu Zeiten von Jesus aber gar keine Kirchenglocken, noch keine Kirchen, und noch keine penetranten Kirchtürme, sondern nur Gemeindelokale unter der Devise: Die Gläubigen selber, die sind die Kirche.
Aber der Terror der Terror-Kirche mit ihren alten Kirchenglocken fährt fort, und jede Nacht wird das Menschenrecht auf Nachtruhe verletzt, und jeden Sonntag wird das Menschenrecht auf Sonntagsruhe verletzt, mit den riesigen Kirchenglocken aus der Zeit von vor 300 Jahren.
Das heisst: Man könnte auch die grossen Kirchenglocken durch kleinere Kirchenglocken ersetzen, so dass sich wenigstens die Lautstärke (Dezibil) reduziert. Aber der Glocken-Terror setzt sich bis heute fort, und der Wohnraum für Menschen, die die Kirchenglocken nicht mehr akzeptieren wollen, bleibt empfindlich eingeschränkt.
Religionen, die keinen Glocken-Terror alle Viertelstunde durch die Nacht kennen, und die keinen 30-minütigen Glockenlärm an Feiertagen kennen, verweisen mit Recht auf die Menschenrechtsverletzungen der Kirche durch den Glocken-Terror hin. Wann kommt die Obrigkeit in Europa endlich dazu, den Kirchenglocken-Terror der Kirche abzustellen, der mit Jesus (wenn es ihn denn gab) gar nicht übereinstimmt? Der Kirchenglocken-Terror ist eine falsche Tradition. Und: Es sind inzwischen genügend Armbanduhren und Handys mit Uhren im Umlauf...
-----
19.1.2010: Sammelklage und Unterschriftensammlung gegen Kirchenglocken-Terror in der Schweiz
aus: 20 minuten online: St. Gallen: Sammelklage: Glockengegner machen mobil; 19.1.2010;
http://www.20min.ch/news/stgallen/story/22637086
<von tobias bolzern
Heiliger Bimbam: Die Glockengegner von IG Stiller machen Ernst. Mit einer Klage wollen sie die Glocken endgültig zum Schweigen bringen. Auch auf Facebook sind Private auf Stimmenfang für eine Anti-Glocken-Initiative.
«Genug vom ewigen Glockengebimmel? Die IG Stiller organisiert eine Sammelklage für die Einwohner der Stadt St. Gallen – jetzt anonym und gratis mitmachen.» Mit dieser Annonce auf Ronorp.net machen derzeit die Glockengegner von IG Stiller gegen das Kirchengeläut mobil. Bereits haben sich vier Betroffene eingeschrieben. «Auf St. Gallen wird etwas zukommen», sagt IG Präsident Samuel Büechi dazu. Mehr Details will er zwar vorerst noch nicht preisgeben. Nur: Die Kosten einer Klage will die Interessengemeinschaft übernehmen.
Doch nicht nur in St. Gallen, sondern auch auf der Online-Community Facebook organisieren sich die Glockengegner: Für die Gruppe «Initiative: Schluss mit Kirchenglocken» werden
100 000 Mitglieder gesucht. «Wenn wir das schaffen, werden wir eine ordentliche Initiative lancieren», sagt Gruppenleiter Florian Bösch aus Basel.Anlass für die Gruppengründung gab das Abstimmungsresultat der Anti-Minarett-Initiative: «Religionsfreiheit wird offensichtlich jetzt mit Flexibilität behandelt. Die Minarette haben bis jetzt niemanden gestört, Kirchenglocken aber schon – seit Jahrhunderten, gnadenlos», so Bösch.>
Kommentar: Kirchenglocken müssen zumindest die Nachtruhe und die Sonntagsruhe einhalten
Kirchenglocken müssen zumindest die Nachtruhe und die Sonntagsruhe einhalten. Auch die arroganten Viertelstundenschläge sind nicht mehr nötig, denn die grosse Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner hat eine Armbanduhr oder eine Uhr im Handy. Die Kirchenglocken machen also Lärm für nichts, und deswegen ist der Kirchenglockenlärm heute nicht mehr aktuell. Ausserdem zeigt die Praxis in anderen Ländern mit weniger Kirchenglocken-Gebimmel (Italien, Spanien, Skandinavien), dass man auch ohne Kirchenglocken-Terror gut leben kann. Wieso sollte das in der Schweiz anders sein? Es liegt an den schweizerischen Kirchen, den Glocken-Terror zu reduzieren, um eine flexible Haltung zu zeigen. Bis heute haben die schweizerischen Kirchen aber eher arrogant zum Anliegen der Stille gezeigt, und diese Arroganz gegenüber den veränderten Bedürfnissen in der Bevölkerung wird Folgen haben. Die Welle gegen Kirchenglocken-Terror ist bereits am Laufen, und scheinbar wollen die Kirchen bis heute immer noch nichts ändern. Der Kirche ist das Wohl der Bevölkerung somit nachweislich egal, und dann wird der Bim-Bam eben per Gesetz abgeschafft. Dann muss die Kirche ohne Bim-Bam leben. Es müsste ja nicht so weit kommen, wenn die schweizerischen Kirchen sich flexibel zeigen würden...
Michael Palomino, 20.1.2010
-----
15.2.2010: Bundesgericht verteidigt den nächtlichen Glockenlärm-Terror als "Tradition"
aus: 20 minuten online: Kirchenglocken in Gossau ZH: Lärmgeplagter Anwohner verliert Prozess; 15.2.2010; http://www.20min.ch/news/zuerich/story/24043914
<Die Glocken der reformierten Kirche in der Zürcher Oberländer Gemeinde Gossau dürfen nachts wie bis anhin die Zeit schlagen. Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines Anwohners abgewiesen, der durch den übermässigen Lärm in seinem Schlaf gestört wird.
Der Eigentümer einer 50 Meter vom Kirchturm entfernten Liegenschaft hatte bereits 2005 vom Gossauer Gemeinderat erfolglos gefordert, dass die Stunden- und Viertelstundenschläge der Kirche zwischen 21.45 Uhr und 6 Uhr morgens einzustellen seien.
Die Zürcher Baurekurskommission III wies die Eingabe des lärmgeplagten Anwohners 2007 ab. Im vergangenen Mai kam das Zürcher Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die Lärmschutzvorschriften tatsächlich nicht eingehalten seien. Auf Sanierungsmassnahmen dürfe gleichwohl verzichtet werden.
Kritische Schwelle überschritten
Zwar betrage der maximale Lärmpegel bei spaltweise geöffnetem Fenster im Schlafzimmer des Betroffenen 63 Dezibel und liege damit über dem Grenzwert von 60 Dezibel für nächtlichen Fluglärm. Dadurch werde die kritische Schwelle überschritten, ab welcher mit Aufwachreaktionen zu rechnen sei.
Allerdings seien nur wenige Personen betroffen. Der nächtliche Zeitschlag der Kirche werde zudem von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in der Landgemeinde akzeptiert und als langjährige Tradition mitgetragen. Eine gänzliche Einstellung des Zeitschlagens in den Nachtstunden würde diese Werte verletzen.
Tradition überwiegt
Eine Schliessung der Schallöffungen am Kirchenturm wurde vom Verwaltungericht als unverhältnismässig verworfen, da dies mit hohen Kosten verbunden wäre und während dem Tag übers Ziel hinausschiessen würde.
Gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts gelangte der Anwohner ans Bundesgericht, das seine Beschwerde nun ebenfalls abgewiesen hat. Laut den Richtern in Lausanne haben ihre Zürcher Kollegen die lärmrechtlichen Sanierungserleichterungen zu Recht gewährt.
Insbesondere habe das Verwaltungsgericht davon ausgehen dürfen, dass an der Aufrechterhaltung der Tradition des nächtlichen Zeitgeläuts ein überwiegendes Interesse bestehe. Erfolglos blieb auch der Hinweis des Beschwerdeführers auf die in der Gossauer Polizeiordnung festgelegte Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr.
Zeitansage ist nicht Religion
Kein Gehör hatte das Bundesgericht schliesslich für den Einwand des Betroffenen, das der Zwang zur Wahrnehmung des Kirchenschalls seine religiösen Rechte verletze. Würde dies zutreffen, müsste laut Gericht das Glockengeläut sämtlicher Kirchen in der Schweiz absolut verboten werden, was natürlich nicht angehe.
Der nächtliche Glockenschlag weise im übrigen gar keinen Zusammenhang mit der Religion auf, womit die Rüge ohnehin ins Leere stosse. Das Bundesgericht hat bereits von vier Jahren eine Beschwerde gegen die Zeitschläge in Gossau abgewiesen.
(Urteil 1C_297/2009 vom 18.1.2010; keine BGE-Publikation)
(sda)>
-----
Kirchen-Terror 12.4.2010: <Untersuchungsbericht Kloster Ettal: 180-Seiten-Protokoll über Prügel, Missbrauch und Sadismus
Wieso gibt es die Kirche? Sie sollte den Menschen das "Seelenheil" bringen und die Menschen vor der "Hölle" schützen, so behauptet sie. Aber die Kirche ist selber eine Hölle, und man fragt sich, wieso die Kirche überhaupt weiter existieren darf. Lesen Sie selbst:
aus: Spiegel online; 12.4.2010; http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,688578,00.html
Eingang zum Kloster Ettal: "Systematisch praktizierte Kultur des Wegschauens"
Hundert Schüler wurden an der Eliteschule Ettal offenbar missbraucht und misshandelt, 15 Geistliche stehen als Täter im Verdacht: Der Abschlussbericht des Sonderermittlers ist ein Protokoll des Unfassbaren. Der Vatikan macht indessen auf strenge Regeln aufmerksam, die schon seit 2003 gelten.
Ettal/Rom - Die Internatsschule des Klosters Ettal gilt als eine der besten in Bayern, der exzellente Ruf, den die Einrichtung über Jahrzehnte hinweg genoss, machte sie auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Seit vor knapp zwei Monaten bekannt wurde, dass auch in Ettal Schüler von Geistlichen und Lehrern brutal misshandelt und missbraucht wurden, kämpft das Institut um seine Reputation. Der Kurs heißt: schnelle, kompromisslose Aufklärung.
Wie groß das Ausmaß des Skandals in Ettal tatsächlich ist, zeigt der 180 Seiten lange Abschlussbericht des Sonderermittlers, der heute vorgelegt wurde: Rund 15 Mönche sollen sich demnach an mehr als hundert Klosterschülern vergangen haben.
Ende Februar hatte die Leitung des Klosters eingeräumt, dass es an der Schule über Jahrzehnte zu Übergriffen an Internatszöglingen gekommen war. Der Skandal weitete sich schnell aus. Rund hundert mutmaßliche Opfer meldeten sich bei dem Münchner Rechtsanwalt Thomas Pfister, der im März als Sonderermittler eingesetzt worden war. Sie berichteten von körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch.
Prügelstrafen, sadistische Strafaktionen, unsittliche Annäherungsversuche: Die Liste der Anschuldigungen ist lang. Der Sonderermittler nannte die Berichte der ehemaligen Schüler glaubhaft und sprach von einer "systematisch praktizierten Kultur des Wegschauens und Verschweigens".
Die meisten der Vorfälle datieren aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren, Schläge seien jedoch bis in die neunziger Jahre im Kloster an der Tagesordnung.
"Schüler musste lebendige Nacktschnecke essen"
In den Blickpunkt der kircheninternen Ermittlungen sei ein langjähriger Abt des Klosters gerückt, der noch bis vor fünf Jahren dort tätig war.
Er soll Kinder geschlagen und seelisch gequält haben. "Noch am Sonntagabend berichtete mir ein früherer Schüler, dass er eine lebendige Nacktschnecke essen musste", sagte Sonderermittler Pfister. Der damalige Abt - er leitete das Kloster von 1973 bis 2005 - habe den Jugendlichen bei einer Bergwanderung zum Essen der Schnecke gezwungen, schilderte Pfister. Der langjährige Leiter des Klosters habe auch wiederholt die Köpfe von Schülern auf die Pulte geschlagen.
Pfister arbeitet im Auftrag des Erzbistums München-Freising. Sein Bericht wurde dem Erzbischöflichen Ordinariat in München und der Benediktinerabtei in Ettal übergeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen sexuellen Missbrauchs von Patres an Schülern. Die meisten Misshandlungen sind verjährt und können daher nicht mehr vom Gericht bestraft werden.
Vatikan: Bei Missbrauchsfällen Polizei einschalten
Ein in seiner Deutlichkeit seltenes Zeichen kam in Sachen Missbrauch aus Rom: Auf einer Web-Seite des Vatikan wurde erstmals explizit die Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden bei Fällen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche betont.
"Die zivilen Rechtsvorschriften betreffend die Anzeige von Verbrechen bei den zuständigen Behörden sollten immer befolgt werden", heißt es in einer dort veröffentlichten Richtlinie.
Die Regeln sind nicht neu: Sie stammten aus dem Jahr 2003, erklärte Sprecher Ciro Benedettini. Der Vatikan hatte in den vergangenen Wochen stets betont, die katholische Kirche verfahre schon lange nach diesen Richtlinien. Dennoch erscheint es Beobachtern als bemerkenswert, dass man von kirchlicher Seite nun so deutlich darauf hinweist. Unter den katholischen Bischöfen in Deutschland beispielsweise war zuletzt noch kontrovers diskutiert worden, ob bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche eine Anzeigepflicht bestehe.
Die Richtlinien sehen zudem vor, dass der Papst in sehr schweren Missbrauchsfällen einen schuldigen Priester auch ohne kirchenrechtlichen Prozess direkt in den Laienstand zurückversetzen kann.
Drei Kinder in Norddeutschland von Kaplan missbraucht
Ein neuer Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Deutschlands wurde indes aus dem Erzbistum Hamburg bekannt. Ein heute 67-jähriger katholischer Geistlicher soll in den siebziger und achtziger Jahren als Kaplan in Bremen und Lingen Kinder missbraucht haben. Die Behörden prüfen nun, ob die Taten verjährt sind.
In Lingen sollen zwischen 1976 und 1983 zwei Mädchen betroffen gewesen sein, in Bremen 1972 oder 1973 ein Junge. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen teilte mit, dass die Taten vermutlich verjährt sind. "Aber wir wollen uns das in Ruhe ansehen."
Der mutmaßliche sexuelle Missbrauch an dem Jungen soll dem Erzbistum bereits 2004 bekannt gewesen sein. Damals seien Unterlagen "in Bearbeitung gekommen", teilte das Erzbistum in seiner Anzeige mit.
Der Junge aus schwierigen Familienverhältnissen sei von seiner Tante mit nach Bremen genommen und bei dem Kaplan untergebracht worden. Dort habe er mindestens eine Nacht übernachtet. Der Kaplan soll die Situation ausgenutzt und das Kind sexuell belästigt haben.
Der Sprecher des Erzbistums Hamburg sagte, man sei dem Vorfall schon 2004 nachgegangen, habe damals aber die Staatsanwaltschaft noch nicht informiert. "Da haben wir hinzugelernt", sagte Sprecher Manfred Nielen. Bis 1995 sei der Priester in einer Gemeinde in Albanien tätig gewesen. Er habe eine Therapieauflage bekommen. Im März sei er in Ruhestand versetzt worden.
ada/dpa/apn>
-----
13.4.2010: Deutscher Bischof Overbeck hetzt bei ARD gegen Homosexuelle als "Sünde"
Man fragt sich bei den vorliegenden rassistischen Fakten gegen Homosexuelle, wieso die Kirche überhaupt noch existieren darf. Aber Religionen dürfen sich - dank dem Anti-Rassismus-Gesetz - alle Kriminalitäten leisten. Aber lesen Sie selbst:
aus: Basler Zeitung online: Hetze gegen Homosexuelle am Staatsfernsehen; 13.4.2010;
http://bazonline.ch/kultur/fernsehen/Hetze-gegen-Homosexuelle-am-Staatsfernsehen/story/15103484
<Ein deutscher Bischof bezeichnete Homosexualität als «eine Sünde, die der Natur widerspreche». Und das ausgerechnet in der ARD-Sendung von Anne Will, die bekanntlich mit einer Frau zusammenlebt.
Das «Miteinander von Mann und Frau» gehöre zu den «moralischen Normen, nach denen der Mensch sich zu richten hat»: Bischof Overbeck.
Man sollte meinen, Homosexualität sei inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Gewiss, in homophoben Randbereichen – Armee, Fussballverein – outet man sich besser nicht. Aber in der öffentlichen Rede hat sich eine tolerante Haltung durchgesetzt. Und nun das: Bei «Anne Will», dem Sonntagabend-Polittalk der ARD, trat der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck auf, dem Augenschein nach ein offener, moderner Kirchenfürst. Es ging um die Haltung der katholischen Kirche zu den Missbrauchsfällen, und es ging um den Papst, der nach Meinung der einen die Sache «aussitzen» will, während die katholische Fraktion in der Sendung fand, er bemühe sich um Aufklärung.
Dabei war auch Rosa von Praunheim, Filmemacher und bekennender Schwuler. Als er den Bischof damit konfrontierte, dass die katholische Sexualmoral nicht unschuldig am Missbrauch sei, zog der vom Leder: Homosexualität sei eine Sünde, die der Natur widerspreche. Das «Miteinander von Mann und Frau» gehöre zu den «moralischen Normen, nach denen der Mensch sich zu richten hat».
Das war Hetze gegen Minderheiten, im öffentlich-rechtlichen TV. Und das ging auch gegen Anne Will, die bekanntlich mit einer Frau zusammenlebt. Die nahm die Provokation nicht auf und verwahrte sich nicht gegen die Diffamierung, sondern liess es bei einer lahmen Zwischenfrage bewenden. Das hielt sie wahrscheinlich für professionell. Man stelle sich vor, eine jüdische Moderatorin würde sich antisemitische Ausfälle ebenso gefallen lassen. Undenkbar! (ebl)>
-----
15.3.2010: Die Kirchen-Gipfelkreuze muessen weg
aus: Basler Zeitung online: Bergführer zerstörte Gipfelkreuze; 15.3.2010;
http://bazonline.ch/panorama/vermischtes/Bergfuehrer-zerstoerte-Gipfelkreuze/story/31378475
<Die beiden Vandalenakte an Gipfelkreuzen im Freiburger Greyerzbezirk sind geklärt. Der verhaftete 48-jährige Mann wollte eine öffentliche Debatte lancieren.
Weitherum sichtbar: Gipfelkreuz auf dem Vanil-Noir.
Im Oktober 2009 war das Gipfelkreuz auf dem Vanil-Noir im freiburgischen Grandvillard schwer beschädigt worden. Im vergangenen Februar wurde das Gipfelkreuz des Merlas auf dem Gemeindegebiet von Bas-Intyamon abgesägt. Die Polizei eröffnete nach den beiden Vandalenakten ein Strafverfahren gegen unbekannt wegen Verletzung der Religionsfreiheit und Sachbeschädigung.
Im Zuge der Ermittlungen wurde am (heutigen) Montagmorgen ein 48-jähriger Bergführer, der im Greyerzbezirk wohnhaft ist, festgenommen und zu den Taten einvernommen. Er hat ein Geständnis abgelegt. Laut seinen Aussagen hat er aus spirituellen Gründen gehandelt und sein Unverständnis darüber geäussert, dass die Kirche religiöse Zeichen auf den Berggipfeln aufstellen darf.
Seiner Meinung nach müsse ein Berg ein freier Raum sein, der von allen geteilt werden dürfe. Er gab auch an, seinen Austritt aus der Kirche verlangt zu haben. Mit seinen Aktionen habe er eine öffentliche Diskussion über den Zweck der Gipfelkreuze auslösen wollen. Nach Abschluss der polizeilichen Einvernahme wurde der Bergführer wieder auf freien Fuss gesetzt.
(sam/ddp)>
-----
25.3.2010: Vatikanbank wusch Mafia-Gelder so weiss wie möglich
aus: Basler Zeitung online: Unheilige Praktiken der Vatikanbank; 25.3.2010;
http://bazonline.ch/ausland/europa/Unheilige-Praktiken-der-Vatikanbank/story/14058948
<Es ist etwas faul im Staate Rom: Die Vatikanbank wusch jahrelang das Geld der Mafia weiss – mit dem Segen des damaligen Papsts Johannes Paul II.
Mehr Saulus als Paulus: Papst Johannes Paul II tolerierte die Machenschaften der Vatikan-Bank.
[Buchempfehlung]: Gianluigi Nuzzi: «Vatikan AG», Ecowin Verlag, 2010. ISBN: 978-3-902404-89-3
Es sind nicht nur Pädophilie-Skandale, welche die katholische Kirche gerade erschüttern: Das neu erschienene Buch «Vatikan AG» gewährt Einblick hinter die Kulissen der Vatikanbank – und zeigt Sauereien von biblischem Ausmass auf: Milliarden von Euro sind mit dem Wissen von Päpsten und Kardinälen in den heiligen Hallen weissgewaschen worden. Hohe Mafiabosse hätten genauso auf der Kundenliste gestanden wie italienische Ministerpräsidenten.
Bereits die Entstehungsgeschichte des Sachbuchs liest sich wie ein Thriller: Renato Dardozzi, ein hochrangiger Manager der Vatikanbank vererbt tausende von Belegen, Briefen und Dokumenten dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi. Abgeholt hat der Journalist die Unterlagen in Begleitung zweier Bodyguards. Zwei Jahre lang sichtete er die Dokumente unter strengster Geheimhaltung.
Schmiergelder, Beziehungen zur Mafia
Der Autor beschreibt die Drehscheibenfunktion der Vatikanbank: Mit seinem Vater sei Nuzzis Informant jeweils nach Rom in den Vatikan gereist, um dort Schmiergelder einzuzahlen. Nur so habe man sich Aufträge im heimischen Sizilien sichern können. Nuzzi beweist anhand der Dokumente unter anderem, dass 20 Prozent solcher Schmiergelder direkt an die Mafiapaten Toto Riina und Bernardo Provenzano geflossen sind.
Der siebenfache ehemalige Ministerpräsident Giulio Andreotti habe rund sechzig Millionen Euro über die Bank gewaschen – selbstverständlich unter einem Codenamen. «Omissis» sei sein Deckname gewesen. Und Papst Johannes Paul II, mit bürgerlichem Namen Karl Wojtyla, habe dieses System wissentlich gedeckt. Erst sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI habe die Chefetage der Vatikanskirche aus moralischen Gründen ohne grosses Aufheben ausgewechselt.
Eine Hand wäscht die andere
Die Vatikanskirche, schreibt der ORF zum Thema, sei für Geldwäscherei derart ideal gewesen, weil sie ausserhalb jeder Kontrolle durch internationale Behörden stand. Der Vorteil für die katholische Kirche sei ebenfalls evident gewesen: Man weiss von den verbrecherischen Verstrickungen der Kundschaft – und kann so, falls es vonnöten ist, ebenfalls Druck auf diese ausüben. Hinter den Wänden des Vatikans wurde also nicht nur Geld gewaschen; eine Hand wusch auch die andere.
(tss)>
-----
Kirchen-Terror 10.4.2010: Ratzinger schützte 1985 einen pädophilen Priester vor der Amtsenthebung
aus: 20 minuten online: Missbrauch in der Kirche: Ratzinger schützte Pädophilen; 9.10.2010;
http://www.20min.ch/news/dossier/missbrauch/story/Ratzinger-schuetzte-Paedophilen-27651648
<Kirchendokumente zeigen, dass Kardinal Joseph Ratzinger, bevor er Papst wurde, sich der Amtsenthebung eines pädophilen Priesters in Kalifornien widersetzte.
Kardinal Joseph Ratzinger im Jahre 1987.
In einem 1985 vom damaligen Kurienkardinal Ratzinger unterschriebenen Brief wurden Bedenken hinsichtlich der Folgen einer Amtsenthebung des Geistlichen für die Weltkirche geäussert.
Das Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP zugänglich gemacht wurde, ist Teil einer längeren Korrespondenz zwischen der Diözese von Oakland und dem Vatikan über eine mögliche Entfernung des betreffenden Priesters aus dem Amt. Der Vatikan hat die Unterschrift Ratzingers in dem Brief bestätigt, lehnte aber jede weitere Stellungnahme ab. Der Vatikan hat stets erklärt, Kardinal Ratzinger habe sich während seiner Zeit als Leiter der Glaubenskongregation niemals der Amtsenthebung eines phädophilen Priesters widersetzt.
(ddp)>
-----
14.4.2010: Priesterausbildung mit totalem Kirchen-Terror
Teil 1: "Vor lauter Angst habe ich den Mund gehalten"
aus: Spiegel online: Ausbildung in der katholischen Kirche; 14.4.2010;
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,686544,00.html
<Aus Köln berichtet Annette Langer
Ehemaliger Priesteranwärter Brian M.: "Machtlosigkeit und Entwürdigung"
Um jeden Preis wollte Brian M. seiner Berufung zum Priester folgen. Doch statt auf Keuschheit und Demut stieß er auf Doppelmoral, sexuellen Missbrauch und Mobbing. Von einem, der auszog, katholischer Geistlicher zu werden - und dabei das Fürchten lernte.
Im Kölner Dom ist die Welt noch in Ordnung. Während draußen "die Atheisten zum Sturm auf die Kirche blasen", wie die christliche Wochenzeitung "Neue Bildpost" meint, regiert im Innern der Kathedrale himmlische Ruhe. Leise klappern die Highheels russischer Touristinnen über den Mosaikboden, die Sonne bringt das Zinnoberrot der Kirchenfenster zum Leuchten. Nur aus den alten Mauern strömt noch feuchte Winterkälte.
In der "Kirchenzeitung" kann man im schummrigen Licht lesen, dass der Präsident des Düsseldorfer Amtsgerichts Kruzifixe aus den Sitzungssälen verbannt hat. Ein Skandal. Darüber, dass kaum einer der geständigen kirchlichen Missbrauchstäter sich je vor einem weltlichen Gericht verantworten musste, beklagt sich niemand.
Immerhin, Joachim Kardinal Meisner hat die Brisanz der Lage erkannt. In seinem 48-jährigen Priesterleben habe er noch nie "eine so schwere Zeit für die Kirche erfahren", schrieb er in einem Brief an die Gläubigen im Erzbistum Köln. Besondere Situationen fordern außergewöhnliche Maßnahmen, sollte man meinen. Doch Meisners Rat an die zunehmend verärgerten und verunsicherten Katholiken ist wenig originell: Beten sollen sie, für die Opfer, die Täter und die Wütenden, die nun aus der Kirche austreten.
"Mit beten allein werden wir in der jetzigen Situation wohl kaum weiterkommen", empört sich der Kölner Theologe Brian M.: "Wenn der Heilige Geist irgendetwas bewirken soll, dann muss die Kirche vor allem ihre Strukturen ändern."
"Später habe ich erfahren, dass er sich auch an Kindern vergriffen hat"
Brian, ein gutaussehender Enddreißiger mit George-Michael-Bart und kornblumenblauen Augen, steht aufrecht zwischen zwei Särgen. Links thront ein Öko-Holzmodell mit Lederschlaufen, rechts ein schwarzes Ungetüm mit raffinierter Verschlusstechnik. M. ist Bestatter, führt in Köln ein elegantes Beerdigungsinstitut, in dem es nach Vanille duftet und eine Käthe-Kollwitz-Radierung an der Wand hängt.
Im schwarzen Anzug zum rosa Hemd, die Hände über dem Gürtel verschränkt, bittet M. zum Gespräch. Er tut das mit einem gewissen Unbehagen: "Ich will kein Nestbeschmutzer sein und andere denunzieren. Mir ist die Kirche immer noch wichtig, ich will loyal sein", betont er. Aber da sei diese Wut über Doppelmoral und Verlogenheit, Missbrauch, Zölibat und die Leiden, die daraus entstehen.
Viele Jahre lang hat der studierte Theologe als Dozent und später als Seelsorger bei der Kölner Aids-Hilfe gearbeitet. Doch ursprünglich wollte er immer nur eines: Priester werden, in der katholischen Kirche, seiner spirituellen Heimat, in der er sich aufgehoben und geborgen fühlte. Bis zu einem bestimmten Punkt.
In den neunziger Jahren studierte M. am erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn. Er hatte zu diesem Zeitpunkt einige Beziehungen zu Frauen gehabt, war aber überzeugt, den Zölibat leben zu können.
Doch schon zu Beginn der Ausbildung gab es Probleme: An seinem zweiten Tag im Seminar wurde M. von einem älteren Mitstudenten* sexuell belästigt, was er als "sehr unangenehm" empfand und bei seinem Ausbilder anzeigte. Der Beschuldigte sei trotzdem zum Diakon geweiht worden. "Später habe ich erfahren, dass er sich auch an Kindern vergriffen hat, das hat mich sehr belastet", so M.
Jojo-Effekt im Priesterseminar
Ein Sprecher der Erzdiözese Paderborn bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass es gegen den Kommilitonen Beschwerden gegeben habe. Er sei 1992 nach Rücksprache mit dem Erzbischof nicht zur Priesterweihe zugelassen worden. Laut Landgericht und Staatsanwaltschaft Paderborn wurde der Diakon später wegen Verbreitung kinderpornografischen Materials und sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu Geld- und Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt.
Trotz des Übergriffs gefiel Brian das Leben unter 120 Männern, er glaubte fest an seine Berufung und arbeitete hart an sich und dem Zölibat. "Ich wollte das in den Griff kriegen, habe mich sehr bemüht und war stolz auf Phasen, in denen ich es hingekriegt habe", erinnert sich M.
Über seinem Bett hing ein großes Holzkreuz, von dem Jesus auf ihn hinabsah. Der 1992 approbierte Katechismus der katholischen Kirche brandmarkte Masturbation weiterhin als "schwere ordnungswidrige Handlung". Dennoch "versündigte" sich Brian bisweilen und war dann "vollkommen deprimiert." Er ging zur Beichte, büßte, hoffte auf Läuterung, dann begann alles von vorn. Eine Art Jojo-Effekt sei das gewesen, sagt er heute.
Doch mit der "Initialzündung", seinem schwulen Coming-out mit einem Kommilitonen, wurde alles anders. "Sexualität, Nähe und Zweisamkeit wurden ein Thema, und zwar ein drängendes", erinnert sich Brian.
Sex, Lügen und Angst im geschlossenen System
Schnell lernte er Gesinnungsgenossen kennen, verstand, dass er "nur ein sündiges Schaf unter sehr vielen anderen" war. Ob sich die Studenten in der schwulen Szene einer Großstadt vergnügt hätten? "Das war gar nicht nötig", sagt Brian trocken. "Ich lebte in einem geschlossenen System und musste noch nicht einmal vor die Tür gehen, um Sex zu haben, sondern bekam ihn sozusagen auf dem Tablett serviert."
Es habe eine Art Telefonkette gegeben, "wer in der Diplomphase Lust hatte, rief einfach einen Kommilitonen an und traf sich kurz mit ihm".
Das Erzbistum Paderborn teilt dazu auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit, dass ihnen "praktizierte homosexuelle Beziehungen aus den neunziger Jahren im Priesterseminar" nicht bekannt seien.
"Wir hatten große Angst aufzufliegen, denn wir wollten Priester werden und unbedingt in der Kirche bleiben", sagt M. Wer jemanden anschwärzen wollte und um homosexuelle Aktivitäten wusste, hatte leichtes Spiel. "Er konnte den Schwulen denunzieren und war ihn dann in der Regel los." Eine perfide Form von Mobbing.
"Es ist eine Welt der Unterdrückung"
Der Ex-Priester, Ex-Katholik und Psychoanalytiker Eugen Drewermann hielt von 1979 bis 1991 Vorlesungen an der theologischen Fakultät Paderborn. Die Zustände am dortigen Seminar seien kein Geheimnis gewesen, sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Druck auf die jungen Männer war demnach groß: "Man darf nicht vergessen, dass Homosexualität im Kirchenrecht noch bis 1982 als schlimmes Verbrechen betrachtet wurde."
Die katholische Kirche habe nicht nur sexuelle und körperliche Gewalt ausgeübt, sondern auch psychische, berichtet Brian: "Man hat mich mit Autorität unter Druck gesetzt, mir so viel Angst eingejagt, dass ich den Mund nicht mehr aufgemacht habe. Es ist eine Welt der Unterdrückung."
Warum er sich gefügt habe? Brian ist verlegen. "Wenn man das innere Gefühl der Berufung hat, schwingt man sich nicht auf zum rebellischen Luther der Neuzeit, kämpft nicht wie David gegen Goliath", sagt er.>
<2. Teil: Homosexuelle Veranlagung zur göttlichen Berufung gemacht?
aus: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,686544-2,00.html
In keinem Beruf der Welt sei der Prozentsatz der Homosexuellen so hoch wie im katholischen Klerus, behauptet die Theologin Uta Ranke-Heinemann. Das "unheilsschwangere Dreigestirn Sexualfeindlichkeit - Frauenfeindlichkeit - Zölibat" bringe zwar keine Homosexualität hervor, erleichtere Schwulen aber den Zugang zu kirchlichen Spitzenpositionen, schrieb die exkommunizierte Kirchenkritikerin in einem Beitrag für die "Junge Welt". Schon mancher junge Mann habe seine homosexuelle Veranlagung mit göttlicher Berufung zum Priestertum verwechselt, "und zwar in aller Unschuld und Aufrichtigkeit".
Die Unschuld kam Brian schnell abhanden. Schlimmer noch, er war dabei, seine Träume zu verlieren. "Mein heiliges Bild von der Kirche wurde sukzessiv zerstört", erinnert er sich. Als er einen Studienkollegen im Vatikan besuchte, sei er von einem dortigen Priester bedrängt worden.
"Auch in den Klöstern, der für mich letzten Bastion der Reinheit, regierte keineswegs Keuschheit." Enttäuscht wandte sich Brian gen Santiago de Compostela. Auf dem Jakobsweg wurde ihm klar, dass er eine solche Doppelmoral nicht leben und außerdem eine funktionierende Beziehung haben wollte - kurz vor der Diakonweihe brach er seine Ausbildung ab.
"Wer liebt, gibt niemals auf"
Homosexuelle katholische Priester haben es angesichts des Missbrauchskandals noch schwerer als zuvor. Vielerorts wird "schwul" noch immer mit "pädophil" gleichgesetzt - ein gravierender Irrtum, wie Experten stets betonen: "Aus wissenschaftlicher Sicht hat die Homosexualität als sexuelle Orientierung nichts mit Kindesmissbrauch zu tun", sagt Janina Neutze, Koordinatorin des Präventionsprojekts "Dunkelfeld - kein Täter werden" an der Berliner Charité. Primär sei die Neigung, also die Bevorzugung eines kindlichen Körperschemas, ausschlaggebend für Übergriffe auf Minderjährige.
Tatsächlich suchte Brian nach seinem Rückzug aus dem Seminar nichts weiter als eine Beziehung, ein Gefühl der Verbundenheit, ein Zuhause. Was er fand, waren Liebe und Zuneigung, aber zu einem hohen Preis. Ausgerechnet in seiner "rebellischen Phase", dem Moment, in dem er am rigiden System der Kirche zutiefst zweifelte, verliebte er sich in einen katholischen Geistlichen. Vier Jahre lang versuchte er seinen Partner davon zu überzeugen, die Kirche zu verlassen. Als er ihn fast so weit hatte, überkam ihn das schlechte Gewissen: "Mein Freund war ein hervorragender Priester, der seine Arbeit und die Menschen so sehr geliebt hat." M. trennte sich von dem Mann.
Auch die folgende Beziehung zu einem Priester hielt den Realitäten nicht stand: "Ich lebte in zwei Welten. Draußen war es eine Männerfreundschaft, drinnen war es Liebe." Der zweite Partner war rigoroser im Vertuschen der illegitimen Verbindung. Jetzt musste auf jedes Detail geachtet werden: keine Umarmungen in der Öffentlichkeit, kein Nackenkraulen beim Autofahren, keine Schwulenparaden, keine öffentlichen Bekenntnisse.
Permanent sei er damit beschäftigt gewesen, seinen Freund zu schützen, um ihm nicht den Beruf und damit die Existenzgrundlage zu nehmen. "Wer liebt, der gibt niemals auf, alles erträgt er mit großer Geduld", wurde M.s Leitsatz aus dem Korintherbrief. Aber immer öfter hatte er Fluchtgedanken, sah zahlreiche homo- wie heterosexuelle Beziehungen mit Priestern zerbrechen an der Verlogenheit und dem Leiden der Beteiligten.
"Zutiefst unchristlich und von Jesus nicht gewollt"
Als auch diese Partnerschaft scheiterte, stand für M. fest: "Ein Priester, der trotz Zölibats eine Beziehung mit jemandem eingeht, handelt fahrlässig. Er muss wissen, was er damit beim anderen anrichtet." Wer in der Ausbildung erkenne, dass er nicht enthaltsam leben könne, müsse den Schneid haben zu sagen: "Bei aller Liebe zum Beruf und aller Traurigkeit: Ich bin nicht geeignet, Priester zu werden."
Eugen Drewermann will darin ein Opfer des katholischen Systems erkennen: "Die Alternative, entweder du liebst Gott oder einen Menschen, ist zutiefst unchristlich und von Jesus nicht gewollt." Schon Martin Luther habe erkannt, dass eine Organisation, die dies verlange, letztlich absolutistisch sei. Ein Ende des Traums von der Unsterblichkeit verheißenden Keuschheit ist laut Drewermann nicht in Sicht. "Der Zölibat ist 1000 Jahre alt. Er hat die Aufklärung überstanden, die Psychoanalyse und die Frauenemanzipation. Warum sollte sich das ändern?"
Brians Leben hat sich durch den Zölibat verändert - im Guten wie im Schlechten. "Die Kirche war für mich immer der verlängerte Arm Gottes, der sagt, ich nehme dich an, wie du bist, ohne wenn und aber. Das hat sich als Fehleinschätzung erwiesen."
* Name ist der Redaktion bekannt>
-----
16.4.2010: Kirchen-Terror: Ohrfeigen vom Priester
aus: Stern online: Bischof Mixa gibt Ohrfeigen zu: "Diese Heuchelei ist unerträglich"; 16.4.2010;
http://www.stern.de/panorama/bischof-mixa-gibt-ohrfeigen-zu-diese-heuchelei-ist-unertraeglich-1559066.html
<Der Augsburger Diözesanrat wirft seinem Bischof Walter Mixa wegen der Prügelvorwürfe Heuchelei und Feigheit vor. Mixa, der stets bestritten hatte, Kinder geschlagen zu haben, hat inzwischen zugegeben, Ohrfeigen verteilt zu haben. Nun werden Rücktrittsforderungen laut.
Mixa, Bischof, Prü,gelvorwü,rfe, Ohrfeige, Magat, Rücktritt
Gerät immer mehr unter Druck: Bischof Walter Mixa
Die Augsburger Diözesanrätin Elisabeth Mantlik hat ihrem Bischof Walter Mixa Heuchelei vorgeworfen. Mixa hätte sich zu den Prügelvorwürfen von Heimkindern gleich offen und ehrlich äußern sollen, auch wenn es peinlich und schmerzlich gewesen wäre. "Diese Heuchelei ist unerträglich und auch ein Stück Feigheit", sagte Mantlik am Rande der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in München. "Das Ganze ist ein einziges Trauerspiel." Eine Lösung sei nicht in Sicht. "Wir haben noch einen ganz schwierigen Leidensweg vor uns."
Der Augsburger Bischof Walter Mixa gab mittlerweile zu, Heimkinder geohrfeigt zu haben. Mixa stand bisher durch Vorwürfe unter Druck, früher als Pfarrer im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen Kinder geschlagen zu haben. In neuen Aussagen macht er nun einen Unterschied zwischen Prügel und Ohrfeigen. "Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watsch'n von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann", teilte Mixa schriftlich mit. "Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch."
SPD-Politiker Maget fordert Mixas Rücktritt
Der SPD-Politiker und Landtagsvizepräsident Franz Maget forderte Mixas Rücktritt. In seiner Funktion als Vorsitzender des Münchner Vereins Kirche und SPD forderte er, dass Mixa sein Amt zumindest bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmisshandlung und möglicherweise finanzieller Unregelmäßigkeiten ruhen lasse. "Jeder Bischof hat das Recht, jederzeit sein Amt niederzulegen, davon sollte Bischof Mixa jetzt Gebrauch machen, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden", sagte Maget.
Auch Grünen-Chefin Claudia Roth verlangt den sofortigen Rücktritt Mixas. In einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" sagte Roth: "Bischof Mixa, der als selbst ernannter Hüter des reinen christlichen Herzens auftritt, muss zurücktreten." Ein Bischof der Lüge, sei als katholischer Repräsentant untragbar. Der oberste Laienvertreter der deutschen Katholiken, Alois Glück, wies Rücktrittsforderungen gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa hingegen als "gegenwärtig grundfalsch" zurück. "Jetzt muss bedingungslose Klarheit geschaffen werden über den tatsächlichen Sachverhalt. Dann kann man sich ein Urteil bilden", forderte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Rücktrittsforderungen zum jetzigen Zeitpunkt wären kontraproduktiv und könnten zu falschen Legenden beitragen.
Der vom Kinder- und Jugendhilfezentrum in Schrobenhausen beauftragte Sonderermittler Sebastian Knott bestätigte unterdessen Tätlichkeiten Mixas als damaliger Stadtpfarrer. In einer eidesstattlichen Erklärung habe ein ehemaliges Heimkind erklärt, ihm sei im Jahr 1976 vom damaligen Stadtpfarrer "mit voller Wucht ins Gesicht" geschlagen worden. Das berichtete Knott am Freitag in Schrobenhausen. Der Betroffene sei als 16-Jähriger vom Heim weggelaufen und von der Polizei zurückgebracht worden. Ein anderes Heimkind berichtete, im Zeitraum von 1990 bis 1997 von Mixa eine Ohrfeige bekommen zu haben.
Nie körperliche Gewalt gegenüber Kindern angewandt
Der Bischof hatte stets bestritten, Kinder geschlagen zu haben. Dabei bleibe er auch, was mehr als Ohrfeigen betreffe. "Zu den Vorwürfen wegen schwerer körperlicher Züchtigungen, die gegen mich erhoben worden sind, habe ich von Anfang an klar gesagt, dass ich zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt habe."
Bei diesen Prügelvorwürfen sei es um schwere körperliche Züchtigungen gegangen. "Solche hat es durch mich nie gegeben", teilte Mixa wörtlich mit. "Falls es zu Ohrfeigen gekommen sein sollte, bedauere ich das heute aufrichtig. Meine Einladung zum Gespräch an die Frauen und Männer, die Vorwürfe gegen mich erhoben haben, bleibt bestehen."
Mixa soll Antiquitäten zu überhöhten Preisen gekauft haben
Auch die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Verwendung von Mitteln der Waisenhausstiftung in der Zeit, in der Mixa Stiftungsratsvorsitzender und Vorstand war, haben sich erhärtet. Auch von Mixa sei Geld stiftungsfremd verwendet worden, sagte Knott, unter anderem zum Kauf von Antiquitäten, die Mixa teils zu deutlich überhöhten Preisen gekauft haben soll. Später habe Mixa zwar der Waisenhausstiftung für 69.300 Mark die meisten der Kunstgegenstände abgekauft, dem Heim sei aber ein Schaden von schätzungsweise rund 10.000 bis 15.000 Mark entstanden, erklärte Knott.
Zudem soll es zwei unklare Zahlungen über 40.000 beziehungsweise 15.000 Mark gegeben haben. Eine davon verweist laut Knott auf den Ankauf "diverser Wertgegenstände", die andere auf Ausstattung und Erneuerung einer Kapelle. Eine sei zweifelsfrei von Mixa unterschrieben, bei der anderen werde dies vermutet. Mixa hatte Anfang der Woche eingeräumt, es sei zu "finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen zwischen der Waisenhausstiftung und der Pfarrkirchenstiftung gekommen".
DPA/APN>
-----
22.4.2010: Kirchen-Terror: Katholisches Salesianer-Wohnheim in Bozen mit Videoüberwachung, Zimmerkontrollen, Besuchsverboten etc. - und die Heimleitung vom Orden behauptet, es habe sich nie jemand beschwert
aus: Spiegel online: Absurde Wohnheim-Überwachung: Leben unter katholischer Kontrolle; 22.4.2010; http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,690241,00.html
<Von Julia Becker
Wer hier wohnt, braucht starke Nerven. Im Rainerum in Südtirol führen katholische Salesianer ein absurd strenges Regiment - Kameras filmen die Flure, Besuch auf dem Zimmer ist verboten, das Verrücken der Möbel ebenso. Freiheit und Privatsphäre? Nicht in diesem Wohnheim.
"Bitte, geben Sie mir schnellstmöglich ein Zimmer in einem anderen Studentenheim", flehte Georg Eder die Sachbearbeiter im Amt für Hochschulfürsorge an. Keine 72 Stunden hatte es der Student im Rainerum ausgehalten, einem vom katholischen Orden der Salesianer geführten Studentenheim in Bozen. Dann bat er um die Zuweisung einer neuen Bleibe.
In den drei Tagen erlebte der 19-Jährige, was Überwachung heißt: "Überall in dem Studentenheim sind Kameras angebracht, im Eingangsbereich, im Treppenhaus, in den Fluren. Ununterbrochen werden die Studenten gefilmt", erzählt Eder.
3000 Studenten studieren an der dreisprachigen und international ausgerichteten Freien Universität Bozen in Südtirols Landeshauptstadt, unter ihnen etwa 200 Deutsche. Die Nachteile einer Unterkunft im Rainerum haben sich herumgesprochen. Die Bewohner beklagen sich nicht nur über das geschätzte Dutzend sichtbarer und verdeckter Kameras, die sie im Haus auf Schritt und Tritt filmen. Sie kritisieren auch andere fragwürdige Überwachungsmethoden der Heimleitung. "Als ich einmal nach Hause kam, stellte ich fest, dass jemand vom Orden ohne mein Wissen im Zimmer gewesen war, meine Sachen durchsucht und an andere Stellen verrückt hatte", sagt eine junge Studentin.
Ähnliches berichten andere Bewohner unabhängig voneinander; ihre Namen wollen sie allesamt nicht öffentlich nennen, auch aus Furcht vor Verlust der Mietkaution von rund 500 Euro. "Als ich nicht da war, sind die einfach in meine Wohnung gegangen und haben mir Dinge weggenommen, die ich im Schrank stehen hatte. Banale Dinge, die ich aber laut Hausordnung nicht besitzen durfte", sagt einer. Unter den Bann fallen zum Beispiel elektrische Geräte wie Wasserkocher oder Kaffeemaschinen.
Kein Besuch auf dem Zimmer, nie, schon gar nicht nachts
Die absurd strikte Hausordnung verbietet unter anderem, eigene Möbel mit- oder auch nur Nägel anzubringen. Wer kleinste Veränderungen vornimmt, wird sofort gerügt. Selbst fürs Verschieben der Vorhänge verteile die Heimleitung Abmahnungen, erzählen Studenten. "Da ist dann gleich wieder einer vom Orden in mein Zimmer gegangen und hat alles wieder zurechtgerückt", sagt eine Bewohnerin.
Schon nach "zwei schriftlichen Abmahnungen" könne "der Student auch während der Vorlesungszeit vom Universitätscollege verwiesen werden", heißt es in der Hausordnung. Ist ein Bewohner länger als einen Tag abwesend, muss er das dem "Salesianer" mitteilen, dem Heimchef. Wer das Wohnheim mit seinen rund 90 Zimmern betritt, wird erst einmal vom Portier in Augenschein genommen. Denn eine weitere Regel besagt: Studenten dürfen keinerlei Besuch mit auf die Zimmer nehmen. Nie. Gäste dürfen ausschließlich in Gemeinschaftsräume. "Einmal war für zehn Minuten eine Kommilitonin in meinem Zimmer, da habe ich gleich wieder mächtig Ärger bekommen", sagt eine Bewohnerin.
Die Heimleitung des Rainerums hält die strengen Vorschriften und die Kameras für angemessen - "in erster Linie zum Schutz der Studenten vor regelwidrigen Vorkommnissen" sowie zur "Gewährleistung des Versicherungsschutzes". Die Wohnungen würden ausschließlich vom Reinigungspersonal betreten, Veränderungen im Raum und Mahnungen nur bei "besonders unaufgeräumten Zimmern" vorgenommen. Kontrollen würden dann "in Anwesenheit und im Interesse des Studenten" durchgeführt. Im Übrigen hätten die erwachsenen Studenten den Mietvertrag und damit auch die strenge Hausordnung "in freien Stücken unterzeichnet", teilt die Heimleitung SPIEGEL ONLINE in einer E-Mail mit.
"Da beißt man in den sauren Apfel"
Gern würden viele der rund 70 Studenten, die in Einzelzimmern oder kleinen WGs wohnen, aus dem Rainerum ausziehen - können es sich aber kaum leisten. Die 345 Plätze in den anderen Studentenwohnheimen sind hart umkämpft. WG-Zimmer kosten in Bozen etwa 350 Euro monatlich, Ein-Zimmer-Wohnungen um die 400 Euro. Im Studentenwohnheim kommt man mit 260 Euro hin. "Da beißt man in den sauren Apfel, es bleibt einem ja nichts anderes übrig", sagt eine Mieterin im Rainerum.
Georg Eder hat Absonderliches aus seinen drei Tagen zu berichten. Während er im Bad seiner WG duschte, sei ein Pater einfach in die Wohnung gekommen und habe seine Zimmertür abgeschlossen, erzählt er. "So konnte ich nicht zurück in mein Zimmer und mich anziehen. Mein Mitbewohner war so nett und hat für mich den Schlüssel von der Heimleitung geholt, sonst hätte ich nur mit einem Handtuch bekleidet durchs Haus rennen müssen." Am nächsten Tag der nächste Schock: Plötzlich war ein Handwerker im Zimmer, als Eder gerade schlief - dabei hatte er sein kleines Reich von innen abgeschlossen. "Ich habe mich heftig erschreckt, als ich aufwachte, ein wildfremder Typ in meinem Zimmer stand und über mir an einer Lampe werkelte."
Privatsphäre vermissen die Rainerum-Bewohner. Bei ihnen regt sich Widerstand gegen Gängelung und Kontrollzwang. Doch jeder Gesprächsversuch habe ins Leere geführt, sagt Student Eder: "Wir haben sogar eine große Versammlung gemacht mit den Bewohnern und dem Orden. Doch das Interesse der Heimleitung, etwas zu verändern, war bisher gleich null." Die Leitung des Rainerums dagegen teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, bei den vierteljährlichen Treffen habe sich "bis heute niemand" beschwert oder Regelverstöße gemeldet.
In anderen Wohnheimen gibt es Privatsphäre
Die Studenten gehen nun andere Wege. Die Südtiroler HochschülerInnenschaft Asus hat Unterschriften für eine veränderte Heimordnung und die Abschaffung der Kameras gesammelt. "Innerhalb von zwei Stunden hatten wir 200 Unterschriften zusammen", sagt Asus-Mitarbeiter Martin Fink. Die Studenten wollen die Liste in dieser Woche der Landrätin vorlegen und eine Kommission zur Klärung einberufen.
Dass es auch anders geht, zeigt das Studentenwohnheim St. Benedikt, das die Studentenvertreter vorbildlich finden. Das Wohnheim wird vom Benediktinerkloster Muri-Gries geführt - ganz anders als im nahen Rainerum: "Bei uns ist der Student nicht der Feind, sondern Freund", sagt Heimleiter Frater Otto Grillmeier. In seinem Haus gebe es keine Kameras, keine Überwachung, Gäste seien willkommen, und die Aufgaben des stellvertretenden Heimleiters übernehme ein Bewohner.
"Die Studenten sind doch erwachsene Menschen. Wir gehen hier vertrauensvoll miteinander um, respektieren uns und die Regeln", sagt der Frater. "Ich möchte, dass die jungen Menschen ihre individuelle Persönlichkeit bei uns bestmöglich entfalten können." So gibt es im St. Benedikt einmal im Monat einen gemeinsamen Brunch; Studenten und Heimleitung treffen sich regelmäßig, um Probleme zu besprechen und auszuräumen.
Georg Eder hatte Glück. Als er beim Amt für Hochschulfürsorge um einen neuen Heimplatz bat, wurde im St. Benedikt gerade ein Platz frei. "Da bin ich nach zwei Wochen endlich hingezogen", sagt der Student. Die vertrauensvolle Atmosphäre im neuen Zuhause weiß er zu schätzen: "Hier kümmert man sich um unsere Anliegen, hier hat man die Freiheiten, die man sich wünscht.">
-----
22.4.2010: Kirchen-Terror: "Mixa-Land ist überall"
Ein Bischof namens Mixa ist scheinbar ein Schläger-Bischof und hat massenhaft Gewalt gegen Kinder bzw. gegen seine "Schäfchen" angewandt. Jetzt trat Mixa von seinem Bischofs-Posten zurück, aber Strafe gibt es keine für den Schläger. Das ist schon eigenartig. Und der Titel "Mixa-Land ist überall" suggeriert, dass Herr Mixa nicht der einzige Schläger-Bischof ist, der in Deutschland seine Hände falsch bewegt, so dass daraus Ohrfeigen (bayrisch "Watsch'n") entstehen. Es ergibt sich dadurch die Schlussfolgerung, dass die Kirche besser abgeschafft werden sollte, denn die psychischen Schäden durch den Kirchen-Terror beschränken sich ja nicht nur auf Schäge. Aber lesen Sie selbst, wie es dem Schläger-Bischof Mixa erging:
aus: n-tv online: Mixa-Land ist überall; 22.4.2010;
http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Mixaland-ist-ueberall-article836845.html
<von Manfred Bleskin
Mixa hat eingestanden, "Watsch'n" verteilt zu haben.
Der Rücktritt von Bischof Mixa war überfällig. Bei einem Verbleib im Amt hätte die römisch-katholische Kirche weiteren Schaden genommen. Die Krise ist damit nicht beendet, aber der Schritt lässt hoffen, dass auch in anderen Fällen radikale Konsequenzen gezogen werden. Sonst werden sich, um mit dem Trierer Bischof Ackermann zu sprechen, weitere giftige, stinkende Wolken entladen. Mixa war zugleich Militärbischof für die Bundeswehr. Nun hat er an Soldaten zweifellos keine "Watschen" verteilt, doch er hat ihnen eine geistige Haltung vermittelt, die Gewalt rechtfertigt. Die Bundeswehr wäre gut beraten, bei Mixas Nachfolger in dieser Funktion genauer hinzuschauen.
Wenn sich jetzt aus dem Regierungslager empörte Stimmen melden und Aufarbeitung fordern, wäre ein Wort der Selbstkritik angebracht. In der Bundesrepublik Deutschland war körperliche Züchtigung bis 1973 erlaubt, in Bayern gar wurde die Prügelstrafe an den Schulen erst 1980 abgeschafft. Es wäre angesichts des Mixa-Skandals aber auch höchste Zeit, sich mit der Gewalt gegen Kinder nicht nur bei den selbsternannten Hirten ihrer Schäfchen zu beschäftigen. Gewalt in der Familie heißt nicht "nur" sexuelle Gewalt gegen Frauen, sondern auch gegen Kinder. In Deutschland werden Schätzungen zufolge weit mehr als eine Million Kinder pro Jahr misshandelt. Nur gut – oder besser: schlecht - 3.000 der Fälle werden aufgedeckt. Artikel 1 Grundgesetz hat allgemeingültigen Charakter.
Körperliche Strafen in manchen muslimischen Staaten zu kritisieren, ist richtig. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht zulassen, dass andere Steine finden, die sie nach ihm werfen können. Für den einstigen britischen Premierminister Anthony Blair war es kein Problem zuzugeben, dass er seine Kinder geschlagen hat. In 20 der 50 US-Bundesstaaten ist Prügelstrafe an Schulen zulässig. In Russlands Armee sterben durch die "Djedowschtschina" älterer Soldaten jährlich rund 2.000 Rekruten. Und auch die Bundeswehr ist nicht frei von Misshandlung.
Gewalt stinkt zum Himmel und verdunkelt unser Leben mehr als es isländische Vulkanaschewolken je könnten. Die Misshandlung von Menschen, heranwachsenden wie erwachsenen, ist eine Schande. Wir sind das demokratisch verfasste Deutschland. Und kein mittelalterliches Mixaland.>
-----
26.4.2010: Kruzifixe in den Schulen in Deutschland müssen verschwinden
Eine türkisch-stämmige Sozialministerin in Niedersachsen hatte einen logischen Gedankengang: Wenn Schulen multikulturell sind, dann müssen die dummen "christlichen" Kreuze aus den deutschen Schulen verschwinden. Die Jesus-Phantasien haben an deutschen Schulen nichts mehr zu suchen, oder dann nur im Zusammenhang mit anderen Religionen. Da hat Frau Özkan aber in ein Wespennest gestochen, denn sie hat nicht gesagt, dass die Menschenrechte das Kreuz ersetzen sollen. Dann müsste ja auch der Islam reformiert werden. Und deswegen wehrt sich die etablierte Classe Politique in Deutschland weiter für das Kruzifix. Aber lesen Sie selbst:
aus: Stern online: Religion und Staat: Aygül Özkan löst neue Kruzifix-Debatte aus; 26.4.2010;
http://www.stern.de/panorama/religion-und-staat-ayguel-oezkan-loest-neue-kruzifix-debatte-aus-1561643.html
<Mit ihrer Forderung nach einem Kruzifix-Verbot an staatlichen Schulen hat sich die designierte niedersächsische Sozialministerin und Unions-Politikerin Aygül Özkan parteiintern Kritik von ganz oben eingehandelt.
"Spielt Jesus noch eine Rolle?", fragte das Satire-Magazin "Titanic" 1995 unter dem Bild eines zum Klopapierrollenhalter umfunktionierten Kruzifix'. Anlass des Titelbilds, das einen Sturm der Entrüstung auslöste, war das Kruzifix-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, mit dem die Richter erklärten, dass kein Kind von Staats wegen gezwungen werden dürfe, "unter dem Kreuz" zu lernen. Das Urteil hat vor allem in der CDU/CSU, die ihr christliches Fundament bereits im Namen trägt, immer wieder für Unmut gesorgt.
Anzeige
Jetzt bringt es ausgerechnet eine Unions-Ministerin wieder auf die politische Tagesordnung: Die türkischstämmige künftige Sozialministerin in Niedersachsen, Aygül Özkan, spricht sich für ein Kruzifix-Verbot an staatlichen Schulen aus. Christliche Symbole gehörten nicht an staatliche Schulen - für Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft gelte das nicht, argumentiert sie. Die Schule müsse ein neutraler Ort sein.
Darum hätten auch Kopftücher "in Klassenzimmern nichts zu suchen", erklärt die 38-jährige Juristin und rührt damit an ein weiteres Thema, das ebenfalls jahrelang für Diskussionen sorgte und vor dem Bundesverfassungsgericht landete: Das Kopftuch muslimischer Lehrerinnen.
Bei beiden Streitthemen geht es um das grundsätzliche Verhältnis von Religion und Staat, in diesen Fällen die Schule. Denn einerseits gibt es das verfassungsrechtliche Gebot der strikten Neutralität des Staates in weltanschaulichen Fragen, andererseits aber auch das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Im Kruzifix-Streit hatten Eltern um ihr negatives Recht auf Religionsfreiheit gekämpft: Das Recht, ihre Kinder in der Schule keiner religiösen Beeinflussung ausgesetzt zu sehen. Beim Kopftuch-Streit ging es um die Frage, ob mit dem Verbot des Kopftuchs das positive Recht auf Religionsfreiheit eingeschränkt wird - das Recht auf ungehinderte Religionsausübung.
Der Kruzifix-Streit begann 1986 und fand mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im August 1995 keineswegs ein Ende. Die bayerische Schulordnung schrieb ein Kreuz in jedem Klassenzimmer vor, 1986 verlangte aber ein Vater in der Oberpfalz, dass seine frisch eingeschulte Tochter nicht mehr diesen "männlichen Leichnam" sehen müsse. Er zog durch sämtliche Instanzen, bis ihm schließlich das Bundesverfassungsgericht Recht gab.
Die Karlsruher Richter erklärten, das bayerische Schulgesetz sei in diesem Punkt grundgesetzwidrig. Nach einem Sturm der Entrüstung präzisierten sie ihre Entscheidung: Nicht die Kreuze in den Klassenzimmern seien unzulässig, sondern nur die staatliche Anordnung.
Als Reaktion fügte der bayerische Landtag im Dezember 1995 einen neuen Absatz in das Schulgesetz ein: Demnach wird zwar in jedem Klassenraum ein Kreuz angebracht. Wenn aber ein Erziehungsberechtigter "aus ernsten und einsehbaren Gründen des Glaubens oder der Weltanschauung" dem widerspricht, versucht der Schulleiter eine gütliche Einigung. Gibt es keine Einigung, muss eine Einzelfallregelung getroffen werden, die "die Glaubensfreiheit des Widersprechenden achtet und die religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen aller in der Klasse Betroffenen zu einem gerechten Ausgleich bringt".
Gegen diese Regelung gab es neue Klagen. Im April 1999 erklärte schließlich das Bundesverwaltungsgericht den umstrittenen Sonderweg für verfassungsgemäß, erweiterte aber deutlich die Widerspruchsmöglichkeiten gegen Kreuze in Klassenzimmern.
Während in den anderen Bundesländern entweder gar keine Kreuze in Klassenzimmern staatlicher Schulen hängen oder dies nicht zu solchen juristischen Streitereien führt wie in Bayern, flammte dort der Konflikt immer wieder auf: So gab im Januar 2002 der Verwaltungsgerichtshof in München einem Volkschullehrer Recht, der das Abhängen von Kruzifixen in Räumen verlangte, in denen er unterrichtete.
Noch komplizierter stellt sich der juristische Sachverhalt im Kopftuchstreit dar: Seit 1997 kämpfte die afghanisch-stämmige Referendarin und spätere Lehrerin Fereshta Ludin für ihr Recht, im Unterricht als Muslimin ein Kopftuch tragen zu dürfen. Das Land Baden-Württemberg berief sich auf die Neutralitätspflicht des den Staat repräsentierenden Lehrers in weltanschaulichen Fragen. Ludin beharrte dagegen auf ihren Grundrechten auf Religionsfreiheit und unbeschränkten Zugang zu öffentlichen Ämtern unabhängig vom religiösen Bekenntnis.
2003 erzielte sie in Karlsruhe einen Teilerfolg: Die Richter entschieden, dass das Tragen eines Kopftuchs im Unterricht nur per Gesetz verboten werden kann. Der Landesgesetzgeber könne angesichts der Zunahme verschiedener Religionsrichtungen in Deutschland das Ausmaß religiöser Bezüge in der Schule neu bestimmen. Per Gesetz sei dann ein Verbot des Kopftuchs und die Einschränkung der Religionsfreiheit möglich.
Drei Richter gaben damals allerdings ein Sondervotum ab: Sie hielten eine zusätzliche Landesgesetzgebung nicht für nötig, da sich die Neutralitätspflicht eines Beamten, der sich freiwillig auf die Seite des Staates stelle, aus dem Grundgesetz selbst ergebe. Mit der Entscheidung der Senatsmehrheit komme es zu einer "im Grundgesetz nicht angelegten Fehlgewichtung im System der Gewaltenteilung".
Mirjam Mohr, APN>
-----
9.5.2010: Der Vatikan hat Ermittlungen bei sexuellem Missbrauch von Priestern gezielt behindert
aus: n-tv online: Politik: "Krieg im Vatikan wegen Pädophilie": Interner Streit eskaliert; 9.5.2010;
http://www.n-tv.de/politik/Interner-Streit-eskaliert-article863896.html
<Im Vatikan herrscht dicke Luft. Hintergrund sind Vertuschungen im Umgang mit sexuellem Missbrauch. So sollen Ermittlungen gezielt behindert worden sein. Der Wiener Kardinal Schönborn fordert jetzt eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle. Auch die Bevorzugung des Täterschutzes vor dem Opferschutz müsse beendet werden.
Der innerkirchliche Streit über den Umgang mit sexuellem Missbrauch ist eskaliert. Am Wochenende wurden Vorwürfe des Wiener Kardinals Christoph Schönborn bekannt, im Fall seines Vorgängers Hans Hermann Groer habe der langjährige Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano Missbrauchs-Ermittlungen verhindert. Der vatikanische Außenminister Sodano habe sich damit gegen den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger durchgesetzt. Der heutige Papst Benedikt XVI. habe 1995 die Vorwürfe gegen Groer untersuchen lassen wollen, dieser habe sich an jungen Seminaristen vergangen. Der 1995 zurückgetretene und 2003 gestorbene Groer hatte die Anschuldigungen bestritten.Italienische Sonntagszeitungen griffen die Äußerungen Schönborns, die er Ende April in einem Hintergrundgespräch mit österreichischen Journalisten gemacht hatte, auf. "Krieg im Vatikan wegen Pädophilie", titelte der konservative "Il Giornale". Nach einer Zusammenfassung der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress, die sich auf Presseberichte stützte, sprach sich Schönborn angesichts der anhaltenden Austrittswelle erneut für eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle aus. "Die Zeit des Vertuschens ist vorbei." Vorbei sei auch jede Bevorzugung des Täterschutzes vor dem Opferschutz.
Bereits im April hatte eine katholische Publikation in den USA Sodana Vertuschung im Fall eines pädophilen amerikanischen Priesters vorgeworfen. Der Vatikan räumte daraufhin ein, dass die Anschuldigungen gegen den 2008 verstorbenen Geistlichen zuträfen, nachdem er sie zunächst bestritten hatte.Ebenfalls am Wochenende hatte Benedikt das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen, der nach anfänglichem Leugnen Misshandlungen von Heimkindern in seiner früheren Eigenschaft als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eingeräumt hat. Zuletzt war der Vorwurf publik geworden, der Bischof habe sich an einem Jugendlichen sexuell vergangen.
ppo/AFP/dpa/rts>
-----
14.5.2010: Kirchen-Terror: Schläger-Bischof Mixa mit Faust, Stock und Gürtel
aus: Spiegel online: Prügelvorwürfe gegen Walter Mixa: Schläge mit Faust, Stock und Gürtel; 14.5.2010;
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,694847,00.html
<DPA
Die Details, die nun über den angeblichen Umgang Walter Mixas mit Heimkindern bekannt werden, sind erschütternd. Der Geistliche soll seine Schützlinge massiv verprügelt haben, wie Sonderermittler Sebastian Knott herausgefunden haben will. Das Bistum nimmt dazu bislang keine Stellung.
Augsburg/Ingolstadt - Der Bericht des von der Kirche eingesetzten Sonderermittlers Sebastian Knott offenbart, wie grausam Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder behandelt haben soll. Bei vielen Gläubigen dürfte er für die entsetzte Frage sorgen, wie es der Geistliche so weit bringen konnte.
Das Bistum Augsburg teilte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit, es habe den Abschlussbericht des Rechtsanwalts Knott zur Kenntnis genommen. Eine Stellungnahme gab es dazu jedoch nicht ab.
Mit einem Vokabular, das eher an Mittelalter und Inquisition erinnert, soll Mixa laut Knott die Kinder 1975 und 1996 bedroht haben. "Du landest im Fegefeuer", soll er demnach gesagt haben, "in dir ist der Satan", oder: "Ich werde dir schon die schmutzigen Gedanken austreiben." Die Nonnen des Heimes hätten sich auf den Stadtpfarrer als Zuchtmeister für die Kinder verlassen, sollen ihn aber beim Prügeln sogar angestachelt haben.
Von schlimmen Drohungen, von Schlägen mit der Faust, dem Stock und dem Gürtel schreibt der Rechtsanwalt. Die Aussagen ehemaliger Heimkinder seien glaubwürdig, versichert Knott. Strafrechtlich seien die Vorwürfe jedoch verjährt.
Walter Mixa: Bei Missbrauchsvorwürfen wolle er lügen
Der Bericht über die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern spart üble Einzelheiten nicht aus: "Herr Mixa zog ihm die Hose herunter und prügelte mit einem Stock auf den nackten Hintern. Nach fünf bis sechs Schlägen begann der Betroffene zu weinen. Danach brach der Stecken ab und Herr Mixa lockerte seinen Hosengürtel und schlug noch weitere fünf- bis sechsmal auf seinen Hintern." Der Mann, der 1982 als 15-Jähriger zu Mixa gerufen worden sei, sei später zum Alkoholiker geworden, so Knott.
Einem Mädchen habe der Ex-Bischof laut dem Bericht gesagt: "Ich möchte, dass du mich niemals vergisst. Dazu werde ich deine Zukunft ruinieren." Die von Knott als glaubhaft bezeichnete Frau benötige bis heute therapeutische Hilfe und sei nicht in der Lage, Beziehungen zu führen.
Mixa hatte zunächst geleugnet, jemals Heimkinder geprügelt zu haben. Erst später räumte er ein, die ein oder andere Ohrfeige verpasst zu haben.
Dazu passt ein kleines Detail, das Knott nicht verschweigt: Er habe eine E-Mail eines Priesters erhalten, der vor einigen Jahren engen Kontakt zu Mixa hatte. Im Zuge der Wiener Groer-Affäre soll Mixa gesagt haben: Wenn ihm so etwas passieren sollte - er würde lügen. 1995 hatte ein ehemaliger Schüler Groers schwere Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Erzbischof von Wien erhoben. Groer reichte ein Rücktrittsgesuch ein.
Missbrauchsvorwurf gegen Mixa entkräftet
Während Knott die Vorwürfe schlimmster körperlicher und psychischer Misshandlungen gegen Mixa als glaubhaft schilderte, entlastete die Staatsanwaltschaft Ingolstadt fast zeitgleich den Ex-Bischof vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Die Vorermittlungen wurden am Freitag eingestellt.
Mixa hatte sein Rücktrittsgesuch längst beim Vatikan eingereicht und sich in ein Schweizer Sanatorium zurückgezogen. Ungewöhnlich schnell entsprach der Vatikan inzwischen seiner Bitte.
ada/dpa/AFP>
-----
14.5.2010: "USA": 14.000 sexuell Missbrauchte durch ca. 5000 Priester seit den 1960er Jahren
aus: 20 minuten online: Kindesmissbrauch: Kirche zahlt Millionen an Missbrauchsopfer; 14.5.2010;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/27059278
Eine katholische Diözese in den USA zahlt Missbrauchsopfern pädophiler Priester insgesamt mehr als 20 Millionen Dollar. Dafür muss die Kirche gar Immobilien verkaufen.
Die Kirche greift tief in die Taschen: 17,65 Millionen Dollar sollen 26 Betroffen erhalten, wie der Bischof von Burlington im Bundesstaat Vermont, Salvatore Matano, am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Zudem habe sich die Kirche mit den Klägern in drei Berufungsprozessen auf nicht genannte Entschädigungssummen geeinigt. Der Rechtsvertreter vieler Missbrauchsopfer, Jerry O'Neill, sagte, die Gesamtsumme belaufe sich auf mehr als 20 Millionen Dollar.
Wie Matano auf der Website der Diözese weiter erklärte, wird die Kirche ein Verwaltungsgebäude in Burlington sowie ein rund zehn Hektar grosses Grundstück für Freizeitaktivitäten verkaufen, um die Entschädigungen zu finanzieren. Ferner habe sie einen Kredit aufgenommen.
Missbräuche jahrelang vertuscht
Viele der Missbrauchsfälle in Burlington gehen auf die 70-er Jahre zurück. Laut O'Neill hatten sich zwei Priester an den Opfern vergangen.
Eine Häufung von Missbrauchsskandalen hatte die US-Kirche vor knapp zehn Jahren in ihre tiefste Krise geführt, seit den 60-er Jahren waren einer Untersuchung zufolge 14 000 Menschen von bis zu 5000 Priestern missbraucht worden.
Die Kirche verschärfte als Reaktion ihr internes Vorgehen gegen pädophile Priester, die sie lange durch Vertuschung geschützt hatte. Millionenschwere Entschädigungen führten in der Folge ganze Diözesen in den Bankrott.
Weltweit wurde die katholische Kirche in den vergangenen Monaten von einer Welle von Enthüllungen über Missbrauchsfälle in verschiedenen Ländern erschüttert, auch in der Schweiz. Der Vatikan wird dabei mit Vorwürfen konfrontiert, Fälle sexuellen Missbrauchs vertuscht zu haben. Dabei ist auch Papst Benedikt XVI. persönlich in die Kritik geraten.
(sda)>
-----
18.5.2010: Evangelische Kirche meldet weitere Missbrauchsfälle
aus: Spiegel online; 18.5.2010; http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,695510,00.html
<Drei Opfer waren Internatsschüler, vier weitere wurde in niedersächsischen Gemeinden missbraucht oder belästigt: Die evangelische Landeskirche Hannover hat bislang unbekannte Missbrauchsfälle öffentlich gemacht. Nicht alle Taten sind verjährt.
Hannover - Die evangelische Landeskirche hat eigenen Angaben zufolge sieben Verdachtsfälle wegen sexuellen Missbrauchs, sexueller Belästigung und körperlicher Gewalt ermittelt. In drei Fällen handele es sich um ehemalige Schüler des damals kirchlichen Internats der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel, sagte ein Kirchensprecher.
Zwei der Schüler seien von einem Lehrer sexuell missbraucht worden. Ein weiterer sei von einem Erzieher körperlich misshandelt worden, sagte Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track. Die Fälle stammen aus den sechziger und siebziger Jahren und sind damit strafrechtlich verjährt. Die Landeskirche habe jedoch disziplinarrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Das Internat war von 1947 bis 2007 in Trägerschaft der Landeskirche.
Vier weitere Fälle sollen sich in niedersächsischen Kirchengemeinden ereignet haben. Zwei Pastoren und ein Diakon sollen zwei Mädchen und einen Jungen im Jugendalter missbraucht haben. Die Fälle ständen nicht miteinander in Verbindung und datierten aus der Zeit zwischen den sechziger und achtziger Jahren.
Zudem sei eine erwachsene Frau in diesem Jahrzehnt über einen längeren Zeitraum hinweg von einem Pastor sexuell belästigt worden.
Er wolle das Thema Missbrauch so "offen und transparent wie möglich" angehen, sagte der stellvertretende Landesbischof Hans-Hermann Jantzen. Es sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Taten ereignet hätten. Die Landeskirche hat daher eine Hotline ( 0511-1241477 0511-1241477, täglich 9 bis 21 Uhr) eingerichtet, bei der sich Betroffene anonym beraten lassen können.
hut/dpa/ddp>
-----
27.5.2010: Kirchen-Terror: Jesuiten deckten die Missbrauchstäter systematisch vor rechtlichen Konsequenzen
aus: Stern online: Abschlussbericht: Jesuiten haben Missbrauch jahrelang vertuscht; 27.5.2010;
http://www.stern.de/panorama/abschlussbericht-jesuiten-haben-missbrauch-jahrelang-vertuscht-1569648.html
<Teil 1: Abschlussbericht: Jesuiten haben Missbrauch jahrelang vertuscht
Bei den Jesuiten sind weit mehr Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch und Misshandlungen geworden als bisher bekannt. Über 200 Betroffene haben sich bei der Beauftragten Ursula Raue gemeldet. Besonders schockierend: Jahrelang wurden die Täter gedeckt.
Anwältin Ursula Raue und Jesuiten-Pater Stefan Dartmann stellen den Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal im katholischen Orden vor
Der Missbrauchsskandal an Jesuiten-Einrichtungen hat deutlich größere Ausmaße als bislang angenommen. Insgesamt gehe es um 205 Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Misshandlungen wurden. Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den die vom Jesuitenorden beauftragte Rechtsanwältin Ursula Raue in München vorgestellt hat. Jesuiten-Provinzial Stefan Dartmann sagte, der Bericht gereiche dem Orden zu "Scham und Schande".
Ende Januar war durch Aussagen mehrerer ehemaliger Schüler bekannt geworden, dass es am Canisius-Kolleg in Berlin - einem Gymnasium der Jesuiten - in den 70er und 80er Jahren einen systematischen sexuellen Missbrauch von Kindern gegeben hatte. In der Folge wurden zahlreiche weitere Fälle bekannt, weshalb der Orden Raue mit der Aufklärung beauftragte.
In ihrem Zwischenbericht vom Februar sprach Raue noch von 115 bis 120 Fällen. Die Anwältin sagte jetzt, zusätzlich zu den im Abschlussbericht aufgeführten 205 Opfermeldungen an Jesuiten-Einrichtungen seien ihr 50 weitere, meist an katholischen Einrichtungen geschehene Übergriffe auf Kinder und Jugendliche gemeldet worden.
Bekannte Fälle aus sieben Einrichtungen
Bei den Jesuiten kam es dem Bericht zufolge außer am Canisius-Kolleg auch am Kolleg Sankt Blasien, dem Aloisiuskolleg im Bonner Stadtteil Bad Godesberg und der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg zu Missbrauchshandlungen. Ebenso wurden aus Jugendeinrichtungen in Hannover und Göttingen und einem heute nicht mehr von den Jesuiten geleiteten Kolleg im westfälischen Büren Übergriffe gemeldet.
Hauptverdächtige sind zwölf Patres, von denen sechs verstorben sind, sowie zwei Weltliche. Den Beschuldigten wird von mehr als einem Opfer oder Zeugen Missbrauch oder grobe Gewalttätigkeit oder beides vorgeworfen, auch Mitwisserschaft wird dieser Gruppe angelastet. Hinzu kommen 32 weitere Patres, weltliche Lehrer oder Erzieher, die nur von einem Opfer oder Zeugen genannt werden.
"Pater Anton" und "Pater Bertram" gelten als die beiden Haupttäter. Allein diesen beiden werden mehr als 80 Fälle am Berliner Canisius-Kolleg vorgeworfen, der Schule mit den meisten Opfern. Der eine verlangte, dass die Kinder vor ihm onanierten, der andere verprügelte die Kinder "in exzessiver Weise", wie Raue sagt. Die Schläge hatten "eine sadistisch-sexuelle Komponente".>
<Teil 2: Missbrauch hat für Opfer gravierende Folgen
aus: http://www.stern.de/panorama/2-abschlussbericht-jesuiten-haben-missbrauch-jahrelang-vertuscht-1569648.html
Nach Raues Angaben haben die Übergriffe bei vielen Opfern schlimme Auswirkungen auf ihr weiteres Leben gehabt. "Diese Leute, die sich da gemeldet haben, sprechen fast durchgängig von gebrochenen Lebenswegen, von Angst und Depressionen, Problemen im sexuellen Bereich und zerstörten Ehen und Eheproblemen." Die Anwältin machte auch dem Jesuiten-Orden schwere Vorwürfe. Dort seien viele Anschuldigungen bekannt gewesen, ohne dass angemessen reagiert worden sei. Statt sie anzuzeigen, seien Verdächtige versetzt worden.
"Man wusste, da ist einer, der fummelt gerne rum, und der andere hat den Spitznamen "Pavian"", berichtet die Missbrauchsbeauftragte. Sie schildert in klaren Worten, was sich hinter verschlossenen Türen abspielte: "Er" - der jeweilige Täter - "hat gestöhnt, und es hat komisch gerochen."
Pater Dartmann sprach von "Schuld und Versagen" der Jesuiten. Er entschuldigte sich bei allen Opfern. Zugleich bot er an, bei jedem Betroffenen auch persönlich um Entschuldigung zu bitten sowie Gespräche zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zu vermitteln.
Dartmann äußerte sich allerdings zurückhaltend zu möglichen finanziellen Entschädigungen, die von mehreren Opfern gefordert werden. Der Orden wolle den Beratungen des Runden Tisches der Bundesregierung nicht vorgreifen. Erste Aufgabe der Jesuiten sei es, die Missbrauchsopfer darin zu unterstützen, die für sie nötige Hilfe zu bekommen.
AFP>
-----
Kirchen-Terror in Fritzlar 12.6.2010: Systematischer Missbrauch von Ministranten
aus: n-tv online: Panorama: Skandal in Fritzlar weitet sich aus - Zehn Ministranten missbraucht?; 12.6.2010; http://www.n-tv.de/panorama/Zehn-Ministranten-missbraucht-article921357.html
<Die Staatsanwaltschaft prüft weitere Ermittlungen gegen einen Priester aus dem nordhessischen Fritzlar, der zehn Ministranten über mehrere Jahre missbraucht haben soll. Es könnte aber noch weitere Opfer geben, der Geistliche sitzt bereits in Haft.
Der Missbrauchskandal in Fritzlar scheint größere als bislang angenommen.
Im Fall eines unter Missbrauchsverdacht stehenden Pfarrers der katholischen Kirchengemeinde im hessischen Fritzlar sind neue Einzelheiten zum Ausmaß bekanntgeworden. Der in Untersuchungshaft sitzende 49-Jährige soll über viele Jahre hinweg zehn Ministranten sexuell bedrängt haben. Dies sagte Rechtsanwältin Meike Schoeler, die Missbrauchsbeauftragte des betroffenen Prämonstratenser-Ordens.
Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte bislang lediglich von mehr als 30 Taten an Kindern und Jugendlichen gesprochen und sich zur Zahl der Opfer nicht geäußert. Die Behörde will nun zusammen mit der Polizei die Ermittlungen vertiefen und ergründen, ob sich das ihnen bekannte Ausmaß der Straftaten bestätigt - oder es noch mehr Opfer gibt.
Geständiger Priester
Der geständige Priester war am Donnerstag festgenommen worden. Bei den Vernehmungen hatte er die bislang bekannten Taten eingeräumt und Namen seiner Opfer genannt. Der Ordenspriester war bereits im Mai nach einem Anfangsverdacht von seinen Aufgaben in der Seelsorge entbunden worden. Im Mai hatte das Bistum die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Damals berichtete Schoeler von einem Beschwerdebrief von Eltern. Demnach soll der Priester auf Jugendfreizeiten darauf bestanden haben, dass Messdiener duschten und er zuguckte, wenn sie nackt unter der Dusche standen. Von sexuellen Körperkontakten und Übergriffen sei aber nichts bekannt, sagte Schoeler, die als Ansprechpartnerin für Opfer fungiert.
Der Missbrauchsverdacht hatte sich am Dienstag bei einer Hausdurchsuchung erhärtet. Dabei seien bei dem 49-Jährigen Fotos gefunden worden, auf denen nackte Ministranten zu sehen waren. Die Taten haben sich nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 1994 und 2001 ereignet. Die Behörde forderte mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden. Der Geistliche hatte auch an einer Schule in Fritzlar Religionsunterricht gegeben. Von dort habe es aber keine Beschuldigungen gegeben, sagte Schoeler.
Das Bistum Fulda zeigte sich in einer Stellungnahme schockiert. Das weitere Vorgehen werde mit dem Abt des Prämonstratenser-Ordens abgestimmt.
dpa>
-----
12.6.2010: Kriminelle Verlustgeschäfte und Finanzaffairen der katholischen Kirche - und die meisten Bistümer schweigen
aus: Spiegel online: Religion: Finanzaffären in der katholischen Kirche; 12.6.2010;
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,700360,00.html
<AP
Katholischer Würdenträger: 25 von 27 Bistümern geben keine Auskunft über Finanzmittel
Immobilien, Aktienbesitz, geheime Konten: Die katholische Kirche jongliert mit ihrem gigantischen Vermögen. Manche Geschäfte sind hoch fragwürdig oder sogar kriminell, wie die Verurteilung eines leitenden Kirchenfunktionärs zeigt.
Berlin - Die katholische Kirche sieht sich mit einer Reihe von Finanzaffären konfrontiert. Allein in Magdeburg bestätigt das Bistum Verluste von über 40 Millionen Euro. Sie wurden durch eine bistumseigene Aktiengesellschaft angehäuft, die in Immobilien, Schiffsbeteiligungen, Biogasanlagen und sogar gentechnische Anlagen investierte.
Im Bistum Limburg veruntreute der Leiter einer kirchlichen Finanzverwaltung rund fünf Millionen Euro. Der Mann wurde vor kurzem zu sechs Jahren Haft verurteilt. "Die Veruntreuung war frappierend einfach", stellte der Richter fest. Im Bistum Münster sind 30 Schwarzgeldkonten eines leitenden Geistlichen aufgeflogen.
Durch solche Betrugsfälle gibt es nun Einblick in die geheimen Kassen der katholischen Bistümer, die große Teile ihres Vermögens jeweils in einem sogenannten Bischöflichen Stuhl verbergen. Auf eine SPIEGEL-Umfrage nach dem Vermögenshaushalt des Bischöflichen Stuhls verweigerten 25 von 27 katholischen Bistümern die Auskunft mit dem Hinweis, dieser würde "nicht veröffentlicht".
"Die katholische Kirche sagt, sie sei arm, tatsächlich aber versteckt sie ihren Reichtum", kritisiert der Berliner Politikwissenschaftler und Kirchenfinanzexperte Carsten Frerk im SPIEGEL. Er veranschlagt das gesamte Barvermögen aller Rechtsträger der katholischen Kirche auf rund 50 Milliarden Euro. Das Vermögen ist meist vielseitig angelegt, etwa in Immobilien, kirchlichen Banken, Akademien, Brauereien, Weingütern, Medienkonzernen oder Kliniken.
Vor allem im Bistum Limburg gibt es nun Streit, weil dort für mehrere Millionen Euro auch aus dem Bischöflichen Stuhl eine neue Bischofsresidenz gebaut werden soll. An der Basis wird gleichzeitig mit dem Sparprogramm "Sparen und Erneuern" die Zahl von Gemeinden, Messen und Seelsorgern zusammengestrichen. "Gespart wird an der Basis, erneuert wird woanders", sagt Henny Toepfer von der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" gegenüber dem SPIEGEL.>
-----
20.6.2010: <Mixa-Affäre: Geheime Akte soll Bischof schwer belasten [mit Alkoholproblem und sexuellen Übergriffen an Buben etc.]
aus: Spiegel online; 20.6.2010; http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,701787,00.html
<DPADas besagte Dokument sei laut "SZ" am 27. April dem Nuntius in Berlin, dem päpstlichen Botschafter, zugegangen. Es umfasse mehrere Dutzend Seiten und enthalte brisante Aussagen von engen Mitarbeitern Mixas und anderen Zeugen. So erinnere sich etwa ein Mitarbeiter des ehemaligen Augsburger Bischofs daran, dass Mixa über den Tag verteilt Wein und andere Alkoholika getrunken habe; der Zeuge mutmaße, Mixa sei ein "Spiegeltrinker", versuche also, einen mehr oder minder gleichbleibenden Alkoholpegel zu halten. In verschiedenen Aussagen sei auch von einem "Wirklichkeitsverlust" des Bischofs die Rede. Diesen Begriff hatte bereits der frühere Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, vorige Woche im ZDF-"Morgenmagazin" benutzt.
Hamburg - Hat der umstrittene Ex-Bischof Walter Mixa ein schweres Alkoholproblem? Leidet er unter Wahrnehmungsstörungen? Ist er mehrfach jungen Priestern und Priesteramtskandidaten gegenüber sexuell übergriffig geworden? Das zumindest legt eine bisher geheime Akte über Mixa nahe, die dem Papst zugegangen sein soll - und aus der jetzt übereinstimmend die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitieren.
Noch gravierender könnten die Aussagen sein, die Mixa sexuelle Übergriffe zur Last legen. Beide Blätter zitieren Passagen, die den ehemaligen Bischof in dieser Hinsicht schwer belasten. Von zwei Männern ist die Rede, die sich - unabhängig voneinander - offenbart hätten. Sie werfen Mixa demnach vor, er habe sich ihnen unter Ausnutzung des bestehenden Abhängigkeitsverhältnisses und gegen ihren Willen sexuell genähert. Die "FAZ" zitiert in diesem Zusammenhang sogar den Begriff "weiche Vergewaltigung".
Wie die beiden Zeitungen vermuten, sei die Akte, die zum Teil öffentlich noch nicht bekannte Vorwürfe enthalte, der eigentliche Grund, warum Papst Benedikt XVI. das Rücktrittgesuch des Bischofs am 8. Mai akzeptiert habe. Mixa hatte dem Papst Ende April seinen Rücktritt angeboten, nachdem über Prügelstrafen und finanzielle Unregelmäßigkeiten zu seiner Zeit als Pfarrer in Schrobenhausen berichtet worden war.
Die neuen Enthüllungen könnten vor allem deswegen brisant sein, weil Mixa derzeit versucht, sein Amt zurückzubekommen. Er habe die Entscheidung nur unter großem Druck von außen getroffen, sagte er der Zeitung "Die Welt" vergangene Woche. Mixa erwägt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof untersuchen zu lassen. Der Vatikan bestätigte zwar, dass es ein Gespräch mit dem Papst geben wird, hält eine Rückkehr aber für äußerst unwahrscheinlich.
Der Pressesprecher der bayerischen Bischofskonferenz, Bernhard Kellner, hatte bereits letzte Woche gesagt, dass beim Rücktritt von Mixa "alles rechtmäßig gelaufen" sei. Kellner sagte ebenfalls, dass man - nicht zuletzt zum Schutz Mixas - davon absehe, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. "Wir wünschen ihm gute Genesung. Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein erster Schritt."
tdo>
-----
PanoramaDonnerstag, 01. Juli 2010
Gericht und Katholiken knallhartKündigung wegen Heirat rechtens
Die Kirche darf machen, was sie will - so das Landgericht in Düsseldorf. Auch einen ihrer Chefärzte in einem katholischen Krankenhaus kündigen, weil er ein zweites Mal heiratet. Im aktuellen Fall darf die Klinik den Mediziner jedoch nicht kündigen. Er sei nicht fair behandelt worden.
Für das Krankenhaus sind zwei Ehen eine zu viel.
Verstoß gegen die katholischen Sitten: Dem Chefarzt eines katholischen Krankenhauses darf gekündigt werden, wenn er ein zweites Mal heiratet. Das hat das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf unter Hinweis auf das in der Verfassung verankerte Selbstbestimmungsrecht der Kirche betont.Dennoch scheiterte der katholische Klinikträger mit dem Versuch, den Krebsspezialisten wegen dessen zweiter Ehe loszuwerden, weil der Arbeitgeber es mit dem weltlichen Recht nicht so genau nahm. Die Kündigung des 48-jährigen Professors sei unwirksam, weil andere Chefärzte des Klinikverbunds in ähnlichen Fällen unbehelligt blieben, befand das Gericht. Dies widerspreche dem Gleichbehandlungsgrundsatz.
Chefarzt erleichtertDer Anwalt des Arztes hatte auf 13 ähnliche Fälle hingewiesen, in denen geschiedene Chefärzte auch bei der zweiten Hochzeit unbehelligt geblieben seien. Außerdem habe der Arbeitgeber die eheähnliche Gemeinschaft des Chefarztes vor der zweiten Heirat über einen längeren Zeitraum geduldet. Deswegen sei es unverhältnismäßig gewesen, wegen der zweiten Heirat sofort zur härtesten Maßnahme zu greifen und zu kündigen. Der Arbeitgeber prüft nun, vor das Bundesarbeitsgericht zu ziehen.
Professor Romuald A. zeigte sich nach dem Urteilsspruch sichtlich erleichtert: "Ich gehe jetzt in die Klinik und mit Freude meiner Arbeit nach. Die Patienten werden es dem Richter danken."
dpa>
-----
Hittnau (Schweiz) 5.7.2010: Der Kirchen-Terror mit Kirchenglocken in der Nacht geht weiter
Man könnte sich ja vorstellen, dass die Kirchen in der Schweiz selber auf die Idee kommen, in der Nacht die lauten, überdimensionierten Kirchenglocken abzuschalten. Überdimensioniert sind die schweizer Kirchenglocken deswegen, weil die Kirchen zu reich sind und viel zu grosse Glocken gekauft haben. Aber eine sinnvolle, menschliche Massnahme zugunsten der Nachtruhe kommt für die schweizer Kirchen nicht in Frage. Und die schweizer Justiz entscheidet - nicht im Sinne der Menschen, sondern auch im Sinne der Kirchenglocken. Nachtruhe, guter Schlaf und Gesundheit sind der schweizer Justiz weniger wichtig als der Terror durch Kirchenglocken. Man fragt sich schon, wie lange die Justiz diese Nachtruhestörung durch Kirchenglocken noch deckt. Die Justiz bricht damit selber das Gesetz, und der dumme Bundesrat schaut weiter zu. Damit wird auch der Bundesrat kriminell. Aber lesen Sie selbst:
aus: 20 minuten online: Hittnau ZH: Kirchenglocken dürfen nachts stündlich läuten; 5.7.2010;
http://www.20min.ch/news/zuerich/story/27781351
<Die Anwohner um die Kirche Hittnau haben sich erfolglos gegen das nächtliche Läuten der Kirchenglocken gewehrt.
-----Anwohner in Hittnau hatten verlangt, dass der Stundenschlag der reformierten Kirche zwischen 22 und 7 Uhr eingestellt und das Frühgeläut am Wochenende von 7 auf 9 Uhr verschoben wird. Der Gemeinderat lehnte das Gesuch im letzten Herbst ab.
Reformierte Kirche in Hittnau: Die Glocken dürfen weiterhin nachts läuten.
Die Anwohner rekurierten dagegen. Wenn der nächtliche Stundenschlag nicht untersagt werde, müsse der Lärm wenigstens durch technische Massnahmen auf die zulässigen Grenzwerte beschränkt werden. Die Baurekurskommission III des Kantons Zürichs wies den Rekurs gegen den Gemeinderatsbeschluss ab, wie es in einer Mitteilung der Gemeinde vom Montag heisst.
(sda)>
16.7.2010: Bistum Chur grenzt Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle von der Mitwirkung bei der Kirche aus
Es ist schon eigenartig, wie rassistisch die Kirche agieren darf, und dieses rassistische Wirken fällt nicht unter das Rassismusgesetz, sondern es fällt unter die Religions-"Freiheit" und wird vom Antirassismusgesetz sogar noch geschützt. Die Justiz in der Schweiz mit dem ARG ist eine Katastrophe. Aber lesen Sie selbst, wie pervers die Kirche agieren darf:
aus: 20 minuten online: Gottesdienst-Verbot für Homosexuelle; 16.7.2010;
http://www.20min.ch/news/zuerich/story/26665642
<Das Bistum Chur hat die katholische Mitwirkung an den ökumenischen Pride-Gottesdiensten für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle verboten. Die Betroffenen sind empört.
Mit Empörung haben die Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) auf eine Anordnung des Bischofsrats des Bistums Chur reagiert. Dieser hat die katholische Mitwirkung an den ökumenischen Pride-Gottesdiensten für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle verboten.
Katholische Kirche Zürich enttäuscht
Die katholische Kirche im Kanton Zürich hatte die Gottesdienste sowohl finanziell als auch ideell unterstützt. Er sei «masslos enttäuscht über diese Entscheidung», sagte Benno Schnüriger, Präsident des Synodalrats der katholischen Kirche im Kanton Zürich, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
Der Entscheid von Bischof Huonder entspreche nicht der Haltung der katholischen Kirche in Zürich. Erst vor kurzem habe der Synodalrat 1500 Franken für den Gottesdienst beschlossen. Der Pastoralplan sehe ausdrücklich «spezielle Seelsorgeangebote für Homosexuelle» vor.
Wie im Mittelalter
Auch der HAZ zeigte sich über die plötzliche Einmischung aus Chur irritiert. Der Bischofsrat und Bischof Vitus Huonder griffen damit die bisherige offene Praxis in Zürich an und machten sich «mit mittelalterlich anmutenden Ansichten für die Ausgrenzung eines grossen Teils der Bevölkerung stark,» heisst es in der Mitteilung des HAZ.
Absurd sei, dass gerade dasjenige weltweit tätige Unternehmen mit dem höchsten Homosexuellen-Anteil an der Belegschaft zum Mittel der Diskriminierung greife.
Gesetze zu Homosexualität
Die HAZ fordern den Churer Bischof Vitus Huonder auf, den Entscheid zu widerrufen, wie sie in einer Mitteilung vom Freitag schreiben. Ausserdem müsse er sich für «diese offene Ausgrenzung» entschuldigen. Die Gottesdienste finden seit einigen Jahren am Zürcher Pride-Festival statt.
(sda)>
|
|
|
|
|
|
Quellen
[1] http://www.kartoffel-geschichte.de/Erste_Furche/Gen_Europa/gen_europa.html
^